Lebensraum Naturpark Drei Zinnen
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Wissenswertes
Die Sextner Dolomiten sind Teil der Südalpen und liegen im äußersten Nordosten der Dolomiten. Diese grenzen im Osten an die Karnischen Alpen. Im Norden werden sie durch eine große Bruchlinie - die ”Periadriatische Naht” oder ”Pustertallinie” - von den Ostalpen getrennt. Die Sextner Dolomiten sind vorwiegend aus Dolomitgesteinen aufgebaut; sie entstanden im warmen Flachwasser des einstigen Urmittelmeeres Tethys. Aber auch vulkanische Gesteine sowie Sand- und Tonsteine sind örtlich weit verbreitet.
Einen sehr guten Einblick in die Schichtfolge der Sextner Dolomiten gewährt unter anderem das Sextental. Auf dem kristallinen Sockel aus quarzreichen Schiefern lagern zunächst das Waidbrucker und Grödner Konglomerat. Lange Zeit wurden aus diesem harten Gestein Mühlsteine hergestellt. Es folgen die schwefelhaltigen Bellerophon Schichten und bis auf etwa 2000 Meter Höhe die bunten, tonig-kalkigen Werfener Schichten. Diese treten im Landschaftsbild kaum hervor, weil sie mit dichtem Wald bedeckt sind. Die fruchtbaren Böden der Werfener Schichten nutzen die Bauern als Bergmähder und Almweiden (Rotwandwiesen, Gsellwiesen).
Darüber türmen sich die mächtigen, wild zerklüfteten Wände des Schlerndolomits empor. Sie verleihen der Haunold-, Dreischuster- und Birkenkofelgruppe, der Sextner Rotwand, dem Elfer und der Hochbrunnerschneid ihr bizarres Aussehen. Im südlichen Teil der Sextner Dolomiten bildet der Schlerndolomit aber nur den Sockel für die eigentlichen "Monumente" dieser Berggruppe. Zwölfer (3.094 m), Paternkofel (2.744 m) und die einzigartigen Drei Zinnen (2.999 m) bestehen nämlich aus dem horizontal gleichmäßig geschichteten Hauptdolomit.
Die Raibler Schichten mit ihren bunten Tonmergeln bedecken vielfach den Schlerndolomit und schützen ihn vor Erosion. In Mulden bilden sie die wasserstauende Unterlage für grüne Almmatten und schimmernde Seen (Bödenseen, Mitteralplsee).
Die heutige Landschaft der Sextner Dolomiten umfasst einzigartige Gipfelformen, Hochplateaus und tiefe Täler. Sie wurde hauptsächlich vom Wasser und vom Gletschereis in den letzten zwei bis drei Millionen Jahren geformt. Zeugen der ehemaligen Gletschertätigkeit sind Rundbuckel und Schliffrücken. Sie sind auf den Plateaus rund um die Drei Zinnen und im Bacherntal gut sichtbar. Sanfte wellige Hügel und Täler, Vernässungszonen und gute Böden weisen meist auf Moränen hin.
Die Bergriesen sind für uns der Inbegriff der Ewigkeit. Tatsächlich sind sie jedoch nur eine kurze Momentaufnahme im dynamischen Entwicklungsprozess der Alpen und der Dolomiten. Dies beweist der Gesteinsschutt. Er rieselt unablässig von Gipfeln, Graten und Wänden und staut sich an deren Füßen in mächtigen Halden auf. Stellenweise wurden das Innerfeld-, das Fischlein- und das Rienztal verschüttet und manchmal verlaufen die Bäche unter dem Geröll.
Im Naturpark gibt es nur einen größeren See, den Dürrensee im Höhlensteintal. Daneben bereichern aber viele kleinere Bergseen das Landschaftsbild.
Der Großteil der Quellen in den Sextner Dolomiten entspringt aus den tonreichen Raibler-, Werfener- und Bellerophon Schichten. Erwähnenswert ist die Drauquelle am Fuß des Haunolds. Bekannt sind auch die Schwefel- und Eisenquellen von Wildbad Innichen und Bad Moos. Sie wurden seit alters zu Heilzwecken genutzt. Aus einem Teil der Quellen beim Wildbad Innichen wird Mineralwasser abgefüllt.
Die Rienz entspringt aus den in Schlerndolomit eingebetteten Zinnenseen im Bereich der Langalm.
Fauna und Flora
Ungefähr zwei Drittel des Naturparkgebietes bestehen aus Felsen und Schutt. So genannte Pionierpflanzen haben sich darauf spezialisiert, diese unwirtlichen Standorte zu besiedeln. Das Hauptproblem dieser Schuttbewohner ist das bewegliche Material, das ihnen unentwegt unter den Füßen wegrutscht. Schuttüberkriecher, wie die Alpen-Gänsekresse oder das auffallende Alpen-Leinkraut, überwachsen es immer wieder von neuem. Der Schild-Ampfer und das Rundblättrige Täschelkraut sind hingegen Schuttwanderer: Ihre oberirdischen Ausläufer streben durch das nachrutschende Gestein beharrlich zum Licht. Eine besondere Rolle spielen die Schuttstauer. Sie bilden erste ruhende Inseln im Schutt, von denen aus die steinige Halde nach und nach erobert werden kann. Zu ihnen zählen verschiedene Arten von Gräsern (Horstsegge, Blaugras) und Weiden. Als wichtige Humusbildner auf Schutthalden sind die Silberwurz und das Dolomiten-Fingerkraut zu erwähnen.
In Felsspalten, Ritzen und auf schmalen Absätzen haben sich einige der schönsten Dolomitenblumen verankert. Es sind dies die Zwergalpenrose, die duftende Felsenaurikel, die Gelbe Schafgarbe, die Dolomiten-Akelei oder der Dolomiten-Mannsschild. Wie der Beiname "Dolomiten" bereits andeutet, handelt es sich oft um so genannte Endemiten. Deren Verbreitungsgebiet ist auf diesen Raum beschränkt, sie haben die Eiszeit auf steilen Südwänden überdauert.
Der Mauerläufer – Symboltier des Naturparks – ist ein typischer Felsbewohner. Halb flatternd, halb kletternd steigt er an den Felswänden empor. Dort sucht er mit seinem langen Schnabel in den Felsritzen nach Insekten und Spinnen. Weitere Singvögel der Region sind beispielsweise der Schneefink und die Alpenbraunelle. Auch der unbestrittene König des Hochgebirges, der Adler, zieht hier seine Kreise. Die Horste baut er mit Vorliebe auf geschützten Felsabsätzen, wo jährlich ein bis zwei Jungadler ausgebrütet werden.
Oberhalb der Waldgrenze liegt das Reich der alpinen Rasen, die ohne menschliches Zutun entstanden sind. Auf diesen Urwiesen ist aus klimatischen Gründen ein Baumwuchs nicht mehr möglich. Auf den flachgründigen Rohböden gedeihen bis auf 2.800 m die windharten und kälteresistenten alpinen Rasengesellschaften (Polsterseggenrasen, Blaugrasgesellschaften). An Graten und Kuppen kommt der Nacktriedrasen vor.
Auf den Rasengesellschaften ist der Rasenpieper ein unübersehbarer Charaktervogel. Die Grasheiden sind für Gämsen willkommene Futterplätze.
In tieferen Lagen, vor allem zwischen Haunold und Kreuzbergpass, prägt ein stattlicher zusammenhängender Lärchen-Fichtenwald die Landschaft des Naturparks. Auf den trockenen, flachgründigen Dolomitenhängen des Höhlensteintales stocken hingegen Föhren. Da und dort wachsen im Fichtenwald auch Laubbäume wie Birken und Ebereschen, auch Vogelbeerbäume genannt. Längs der Bäche, zum Beispiel am Eingang ins Innerfeld- oder Fischleintal, gedeihen schöne Weiden- und Erlenbestände. Die äußerst zähe Zirbelkiefer kommt vereinzelt im Bacherntal, im Innerfeld- und Höhlensteintal vor.
Der Sperlings- und Raufußkauz, der Bunt- und Schwarzspecht sowie seltener der Dreizehenspecht kennzeichnen diese Bergwälder. Teilweise siedeln sie auch in der Krummholzzone, jenen Übergangsbereich zwischen Wald und alpinen Rasen, der von Zwergstrauchgesellschaften geprägt ist. Das Rehwild kommt im offenen Gelände, im unterholzreichen Bergwald und im Sommer auch in der Krummholzregion vor. Der Bergwald weist oft einen dichten Unterwuchs mit Zwergsträuchern auf. Diese sorgen für ein reiches Beerenangebot, eine wichtige Nahrungsgrundlage für das Auer- und Birkwild.
Am Eingang des Innerfeld- und Fischleintales prägen lichtdurchflutete Lärchenwiesen die Landschaft des Naturparks. Diese bestockten Wiesen erlauben eine Mehrfachnutzung. Sie umfasst die Holznutzung durch das gezielte Schlägern von Lärchen, die Heuernte und im Spätsommer die Beweidung. Die verstreuten Lärchen sorgen für ein wuchsfreudiges Mikroklima, weil sie den Wind bremsen und bei Hitze- und Trockenperioden ausgleichend wirken.
Im buckeligen Gelände und um die alten Wurzelstöcke finden sich wertvolle ökologische Nischen, traditionelle Heuschupfen vervollständigen das liebliche Landschaftsbild. Die Bewirtschaftung der Lärchenwiesen ist arbeitsaufwändig und rein wirtschaftlich gesehen wenig rentabel. In den vergangenen Jahrzehnten hat daher die landwirtschaftliche Intensivierung immer mehr auch die Lärchenwiesen erfasst. Dies führte zur ökologischen Verarmung der ursprünglich so artenreichen Flächen.
Mensch und Naturpark
Die Gipfel und Wände der Sextner Dolomiten übten schon im 19. Jahrhundert eine magische Anziehungskraft auf Bergsteiger aus. Zu Anfang waren es die Engländer, die damals die Dolomiten als alpinistisches Niemandsland entdeckten. Für die Dolomitenbewohner war dies eher eine extravagante Narrheit. Als Hirten stiegen sie gerade soweit hinauf, wie Gras wuchs, als verwegene Gämsenjäger so weit, wie die Beute kletterte. In Mythen, Sagen und Bräuchen galten die Berge als Sitz von Dämonen und Gottheiten, Riesen und Zwergen.
Den englischen Pionieren folgten bald Wiener und reichsdeutsche Bergsteiger. Aus gebirgserfahrenen Jägern wurden die ersten Träger und Führer rekrutiert. Die anfangs noch überaus bescheidenen Hüttenbauten verkürzten den Weg zum Einstieg und zogen mehr und mehr Bergwanderer an.
In Toblach entstand zur Jahrhundertwende die Hotelkolonie Neu-Toblach, die den frühen Aufschwung des Tourismus bezeugt. Das Wildbad Innichen ist heute Ruine und Bad Maistatt oberhalb Niederdorf ist geschlossen. Das ehemals renommierte Grand Hotel Toblach wurde zu einem Kulturzentrum mit bedeutendem Konzertsaal umgebaut. Ansitze und Bürgerhäuser zeugen von der Jahrhunderte währenden Bedeutung des Pustertales als Handelsweg nach Venedig, der "Strada d'Alemagna" entlang.
Die friedliche Eroberung der Bergwelt fand im Mai 1915 ein jähes Ende. Danach tobte im Hochgebirge zweieinhalb Jahre lang der Krieg zwischen dem italienischen und dem österreichischen Heer. Zehntausend Soldaten mussten in dieser Eiswüste zwei Winter lang ausharren. Noch heute sind die Böden des Zinnenplateaus von rostenden Granatsplittern durchsetzt und der Sextenstein wie ein Emmentaler Käse durchlöchert. Im Friedhof von Sexten erinnert der Totentanz aus der Hand von Rudolf Stolz an den Wahnwitz dieses makabren Ringens.
Heute zählen die Gemeinden Toblach, Sexten und Innichen zu den führenden Fremdenverkehrsgemeinden Südtirols.
Letzte Aktualisierung: 17/04/2025