Lebensraum Naturpark Schlern-Rosengarten
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Geologie
Nur an wenigen Stellen der Dolomiten ist die Geschichte ihrer Entstehung so deutlich sichtbar wie im Schlerngebiet. Neben gewaltigen Vulkanausbrüchen unter der Oberfläche des frühzeitlichen Urmittelmeeres Paläotethys ließen felsbildende Riffe eine Vielfalt von Landschaften entstehen. Die erste Höhenstufe besteht aus meist dunkelroten Gesteinen der Bozner Quarzporphyrplatte. Ihnen liegt der Grödner Sandstein auf, dessen Eisengehalt den Boden oftmals leuchtend rot erscheinen lässt. Es folgen die Schichten der Permzeit (Bellerophon-Schichten) und der Unteren Trias (Werfener Schichten). Sie sind jedoch meist von ausgedehnten Wäldern verdeckt. Weiters finden sich die Wengener und Cassianer Schichten, die auf der Seiser Alm ihre größte Ausdehnung erfahren. Die Seiser Alm ist besonders reich an Quellen, Bachrinnsalen und moorigen Mulden (zum Beispiel Großes Moos). Bedingt durch den hohen Tongehalt im Boden kann dieser Wasser speichern. Frötsch-, Fromm- und Jenderbach haben ihr Quellgebiet auf der Seiser Alm.
Die Gestalt des Schlerns ist seinem geologischen Aufbau zu verdanken. Der nach ihm benannte Dolomit (Schlerndolomit) ist ein aus Algen und Korallen bestehendes Riffgestein. Dieses bildet auch die durch Kamine und Klüfte gegliederten Wandfluchten der westlichen Dolomiten. Das vulkanische Geschehen im Riffbereich und am Meeresboden des Tethys-Meeres haben auf der Seiser Alm zahlreiche Mineralien entstehen lassen. Über dem Schlerndolomit folgen die tonig-sandigen Raibler Schichten, die den größten Teil der Hochfläche einnehmen.
Der Hauptdolomit ist als letzte Schicht mesozoischer Ablagerungen fast vollständig abgetragen worden. Dieses nahezu weiße Gestein baut unter anderem auch den Pez (2.563 m) und den Kranzer (2.465 m) auf.
Das Leitfossil des Hauptdolomits ist die Megalodon („Kuhtrittmuschel“). Man findet diese häufig in den massigen Bänken dieses Gesteins, vor allem in den Schuttkegeln an der Basis der Felswände.
Lebensräume
Der Schlern wird auf der Seiser, Völser und Tierser Seite von Nadelholzmischwäldern eingerahmt. Der nordöstlich von Seis gelegene Hauensteiner Wald ist vorwiegend aus Fichten und Lärchen zusammengesetzt. Untergeordnet treten auch Föhren, Tannen, Eschen, Birken und Vogelbeeren auf. Der im Naturpark gelegene Völser Weiher ist von Föhrenwald umgeben. Auf der Völser Seite kommen auch Zirben vor. Der Rücken des Tschafon- und des Tschamintales ist mit Fichten-, Lärchen- und Föhrenhochwald bestückt.
Die mit dichtem Unterwuchs aus beerentragenden Zwergsträuchern bewachsenen einsamen Waldabschnitte bewohnt das Auerwild. Spechte und Eulen sind in lückigen Altholzgruppen verbreitet. Typisch für die Bergwälder rings um den Schlern sind der Fichtenkreuzschnabel, die Weidenmeise und der Tannenhäher.
Geschlossene Nadelwälder bedeckten über Jahrtausende die Seiser Alm und das Schlerngebiet bis zu einer Höhe von mindestens 2.200 m. Davon zeugen Sagen und Moorfunde. Die durch Brandrodung gewonnenen Mähder bilden einen bunten Teppich aus Heiden, Wiesen und Sumpfvegetation sehr verschiedener Herkunft.
Die Quellsümpfe und Bachrinnen beherbergen neben Mehlprimeln und Fettkräutern zahlreiche Moose, Seggen, Wollgräser und Binsen. Die viel gerühmte Blütenpracht der Seiser Alm ist jedoch bedroht. Durch Erschließungsmaßnahmen und Einsatz von Dünger schrumpft sie allmählich auf immer kleinere Flächen zusammen. Der Rote Steinbrech zählt dort mit dem Krokus, den Anemonen und Soldanellen zu den frühesten Blütenpflanzen. Wo nicht mehr gemäht wird, wachsen Alpenrosen.
Im Bereich der Waldgrenze und darüber kommt das Birkwild vor. Die Alpendohlen fliegen zur Futtersuche bis an die Berghotels heran.
Die Wände des Schlernmassivs haben selbst während der stärksten eiszeitlichen Vergletscherung den Firn überragt. Deshalb konnten einige Pflanzen, die so genannten Endemiten, die Eiszeit überdauern. Als Beispiel seien die Moretti-Glockenblume und die Schopfige Teufelskralle angeführt. Aus der Schlernflora sind weiters die Goldprimel, Facchinis Steinbrech, der Sparrige Steinbrech, der Dolomiten-Mannsschild und die Alpengrasnelke nicht wegzudenken.
Rehe und Gämsen sind im Naturpark Schlern-Rosengarten keine Seltenheit. Auch der Steinadler horstet hier immer wieder. In den Schlernwänden nisten Alpendohlen, Kolkraben, Felsenschwalben und Alpensegler.
Geschichtliches
Das Mittelgebirge von Völs, Seis und Kastelruth, das sich vor dem Naturpark erhebt, ist reich an vorgeschichtlichen Siedlungen. Funde in Ums und Völser Aicha beweisen, dass diese sonnige Gegend seit der Bronzezeit ununterbrochen besiedelt war. Im Naturpark, am Fuß des Schlerns, hat man das wertvollste geschichtliche Dokument der Gegend gefunden: das so genannte Hauensteiner Schwert. Der aussichtsreiche Schlern hat schon in vorgeschichtlicher Zeit Menschen angezogen. Dies wurde auch durch Funde auf dem Burgstall und am Plörg nachgewiesen. In der wilden Felsenfestung von Hauenstein lebte der spätmittelalterliche Dichter Oswald von Wolkenstein.
Generationen von Bergsteigern gingen in den Schlernwänden zur Schule. Das legendäre Schlernhaus entwickelte sich vor 100 Jahren zu einem Zentrum der Alpenvereinstradition Südtirols.
Auf den Schneehängen der Seiser Alm zogen die Skipioniere ihre ersten Spuren und die Fremdenverkehrspioniere dann die ersten Liftseile. Immer mehr und immer schneller nahm der Mensch Besitz von diesen Berghöhen.
Zu Anfang der 1970er Jahre wurde mit dem Landschaftsplan für die Seiser Alm die erste "Notbremse" gezogen. Unter starkem Protest wurden der Autoverkehr und die Bautätigkeit eingeschränkt. Der noch intakte Bereich wurde durch den ersten Südtiroler Naturpark geschützt. Die Bauern fürchteten ihre Existenz bedrohende Nutzungseinschränkungen und die Jäger bangten um ihr Wildbret. Die Fremdenverkehrswirtschaft sah weitere Liftprojekte und Hotelbauten vereitelt und die Gäste entschwinden. Doch schon wenige Jahre später beantragte die Gemeinde Völs von sich aus eine Erweiterung des Parkgebietes.
Letzte Aktualisierung: 30/04/2025